Die Synagoge in Gaziantep – ein Zeugnis jüdischer Geschichte am Schnittpunkt der Zivilisationen
Im historischen Zentrum von Gaziantep, nur wenige Schritte von Basaren und Moscheen entfernt, steht ein zweistöckiges Steingebäude mit längst verschlossenen Toren. Es handelt sich um die Synagoge in Gaziantep – auch bekannt als die Große Synagoge von Gaziantep (Büyük Gaziantep Sinagogu). Noch in den 1970er Jahren versammelten sich hier die letzten jüdischen Einwohner der Stadt zum Gebet; dann zogen sie fort, und das Gebäude verfiel lange Zeit in der Verwahrlosung. Im Jahr 2012 wurde die Synagoge dank gemeinsamer Bemühungen der jüdischen Gemeinde der Türkei und des Staates restauriert. Im Jahr 2014 wurde sie für Besucher geöffnet. Die Synagoge in Gaziantep ist ein seltenes und bewegendes Zeugnis dafür, dass diese Stadt schon lange bevor sie für Touristen interessant wurde, ein multikonfessioneller Ort war.
Geschichte und Herkunft der Synagoge in Gaziantep
Gaziantep ist eine historisch multiethnische Stadt: Hier lebten jahrhundertelang Türken, Araber, Armenier, Griechen und Juden. Die jüdische Gemeinde war über Jahrhunderte hinweg Teil des städtischen Lebens, obwohl das genaue Baujahr der Synagoge unbekannt ist. Das Gebäude mit einer Kapazität von mehreren hundert Gläubigen zeugt davon, dass die jüdische Gemeinde von Gaziantep zu ihrer Zeit durchaus bedeutend war.
Das 20. Jahrhundert brachte einschneidende Veränderungen mit sich. Die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948, nationalistische Stimmungen in der Türkei und wirtschaftliche Schwierigkeiten führten zu einer massiven Abwanderung der jüdischen Gemeinden aus den türkischen Provinzstädten. In den 1970er Jahren verließen die letzten verbliebenen Juden Gazianteps die Stadt. Die Synagoge wurde geschlossen – ohne Gemeinde konnte das Gebäude nicht weiter genutzt werden. Über mehrere Jahrzehnte stand es leer und verfiel.
Im Jahr 2012 wurde mit Unterstützung der jüdischen Gemeinde der Türkei und der türkischen Regierung eine Restaurierung durchgeführt – ein für die Region seltenes Beispiel für eine interkonfessionelle Partnerschaft zum Schutz des kulturellen Erbes. Im Jahr 2014 wurde die Synagoge für Besucher geöffnet. Im Dezember 2019 fand hier eine Chanukka-Feier mit rund 200 Teilnehmern statt – möglicherweise die erste derartige Veranstaltung in Gaziantep seit mehreren Jahrzehnten.
Die Synagoge wird nicht als aktives Gotteshaus genutzt: In Gaziantep gibt es keine ständige jüdische Gemeinde. Das Gebäude bewahrt jedoch sein Erscheinungsbild und steht allen offen, die das jüdische Erbe der Stadt kennenlernen möchten.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Die Synagoge ist ein zweistöckiges Steingebäude, das groß genug ist, um mehrere hundert Gläubige aufzunehmen. Die Architektur verbindet lokale Bautraditionen – behauener Stein, für Gaziantep charakteristische Fassadenproportionen – mit Elementen, die typisch für Synagogen im Nahen Osten und in der Türkei sind.
Innenraum und Gebetsraum
Nach der Restaurierung im Jahr 2012 wurde das Innere der Synagoge hergerichtet. Der zentrale Gebetsraum mit der für sephardische Synagogen traditionellen Anordnung – die Bima (Erhebung für die Toralesung) in der Mitte, Sitzreihen an den Seiten – vermittelt einen Eindruck davon, wie der Gottesdienstraum der jüdischen Gemeinde von Gaziantep aussah. Die Frauengalerie im zweiten Stock, die Fenster mit halbrunden Abschlüssen und der allgemeine Grundriss bewahren das Erscheinungsbild des Gebäudes in der Form, wie es vor der Schließung der Synagoge bestand.
Mauerwerk und Fassade
Von außen wirkt die Synagoge zurückhaltend: Dies ist typisch für Synagogen in muslimischen Ländern, wo jüdische Gebetshäuser traditionell ohne auffällige Verzierungen erbaut wurden. Der Stein der Wände ist im Laufe der Zeit dunkler geworden; die Restaurierung hat das authentische Erscheinungsbild des Gebäudes bewahrt, ohne zu versuchen, es im modernen Sinne zu „verschönern“.
Kontext: das multikonfessionelle Gaziantep
Die Synagoge befindet sich im selben historischen Viertel wie andere religiöse Denkmäler der Stadt. Moscheen, armenische Kirchen und nun auch die Synagoge – all dies sind Nachbarn auf einer Fläche von wenigen Stadtvierteln. Für Besucher, die sich für die Geschichte des interkonfessionellen Zusammenlebens interessieren, bietet ein Rundgang durch das historische Zentrum von Gaziantep die seltene Gelegenheit, diese Vielfalt innerhalb einer einzigen Stadt zu erleben.
Interessante Fakten und Legenden
- Im Dezember 2019 fand in der Synagoge eine Chanukka-Feier mit rund 200 Teilnehmern statt – vermutlich eine der ersten öffentlichen jüdischen Veranstaltungen in Gaziantep seit vielen Jahrzehnten.
- Das Baujahr der Synagoge ist unbekannt. Dies ist typisch für jüdische Gemeinden in türkischen Provinzstädten: Die dokumentarische Geschichte solcher Gebäude ist oft lückenhaft.
- Die Restaurierung im Jahr 2012 war das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der jüdischen Gemeinde der Türkei und dem Staat. Dies ist ein vergleichsweise seltenes Beispiel für staatliches Engagement bei der Erhaltung nicht-türkischen religiösen Erbes in der Provinz.
- Die Synagoge war bis in die 1970er Jahre in Betrieb – das heißt, sie überstand den Zweiten Weltkrieg, die Gründung des Staates Israel und die ersten Jahre des Kalten Krieges, und erst die wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen der Nachkriegsjahrzehnte setzten ihrem aktiven Leben ein Ende.
- Die Synagoge von Gaziantep gehört zu den etwa zwei Dutzend aktiven oder für Besucher geöffneten Synagogen in der Türkei – einem Land, in dem sich die meisten jüdischen Gebetshäuser in Istanbul befinden.
Anreise
Die Synagoge befindet sich im historischen Zentrum von Gaziantep, nur wenige Gehminuten vom Schloss und der Alauddin-Moschee entfernt. Der Flughafen Oğuzeli (GZT) ist mit dem Taxi in 20–25 Minuten zu erreichen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen Sie in das historische Viertel; die genaue Adresse lässt sich leicht über GPS-Koordinaten oder ein Navigationsgerät finden.
Gaziantep ist eine kompakte Stadt; die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des historischen Zentrums liegen in einem Umkreis von etwa 30 Minuten zu Fuß. Die Synagoge lässt sich gut in einen Rundgang zu Fuß zusammen mit der Burg von Gaziantep, den Moscheen und dem Zevgma-Mosaikmuseum einbauen.
Tipps für Reisende
Die Synagoge ist für Besucher geöffnet, doch sollten Sie die Öffnungszeiten besser im Voraus erfragen: Da es sich um ein verlassenes und nicht-religiöses Gebäude handelt, kann es zu ungewöhnlichen Öffnungszeiten kommen. Der Eintritt ist in der Regel kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr möglich. Wir empfehlen, eine kleine Lichtquelle mitzunehmen – das Innere kann schwach beleuchtet sein.
Das Gebäude befindet sich in einem Wohnviertel; respektieren Sie die Ruhe der Nachbarn und fotografieren Sie keine Personen ohne deren Erlaubnis. Die Synagoge ist ein sensibles religiöses Objekt für die jüdische Gemeinde in der Türkei – besuchen Sie sie mit gebührendem Respekt.
Gaziantep ist im Hinblick auf die interkonfessionelle Geschichte eine außergewöhnliche Stadt: Moscheen, armenische Kirchen und die Synagoge in Gaziantep bilden zusammen ein seltenes Zeugnis dafür, wie verschiedene religiöse Traditionen über mehrere Jahrhunderte hinweg im selben Stadtgebiet nebeneinander existierten.